Bewegungs- und Gesundheitsförderung Nr. 30 / September 2026 BEWEGUNGSMEDIZIN Fachthema: Gesunder Lebensstil und Krebserkrankung Medizinisches Gesundheitstraining: Austauschbar oder unverwechselbar? SFGV – Aktuell: Schulungstermine für den Tarif 595#letsmoveforabetterworld Mehr entdecken CARDIO KRAFT GLEICHGEWICHT BEWEGLICHKEIT KÖRPERZUSAMMENSETZUNG GEIST OPTIMIEREN SIE IHRE ARBEITSABLÄUFE UND MACHEN SIE PATIENTEN ZU KUNDEN. FÜR IHR UNTERNEHMEN: HERVORRAGENDE ERGEBNISSE – LANGFRISTIGE GESÜNDERE VERHALTENSWEISEN – STETIGE FORTSCHRITTE FÜR IHRE KUNDEN: Technogym Checkup, das umfassendste KI-gestützte Tool für die universelle Bewertung. Es kombiniert Messungen zu Körperzusammensetzung, Beweglichkeit, Gleichgewicht und geistigen Fähigkeiten, um das Wellness-Alter Ihrer Kunden zu berechnen und unterstützt Sie mit dem Technogym AI Coach dabei, ihnen die ideale Behandlung zukommen zu lassen. TECHNOGYM CHECKUP WELLNESS AGE™ ASSESSMENT ANZEIGEInhalt Inserate Claude Ammann, c.ammann@sfgv.ch, 079 478 12 63 Urs Rüegsegger, u.ruegsegger@sfgv.ch, 079 743 89 58 Roland Steiner, r.steiner@sfgv.ch, 043 388 41 44 Koordination Joerg Kressig Auflage 3700 Exemplare Korrektorat / Lektorat Ursula Thüler «Bewegungsmedizin» Die Fachzeitschrift mit Brancheninformationen für Einzelunternehmen der Fitness- und Bewegungsbranche Herausgeber Schweizerischer Fitness- und Gesundheitscenter Verband SFGV Arbeitgeberverband für Einzel-Fitnesscenter-Unternehmungen Geschäftsstelle, 3000 Bern Redaktion Claude Ammann, Anya Aubert, Irene Berger, Kilian Käppeli, Urs Rüegsegger, Roland Steiner, Thomas Tholey Chefredaktion André Tummer Produktion DIVERSUM Verlag Redaktionsadresse Schweizerischer Fitness- und Gesundheitscenter Verband SFGV Geschäftsstelle, 3000 Bern – a.tummer@sfgv.ch, Telefon 0848 893 802 Editorial 5 Fachliche Informationen Bewegungs- und Gesundheitsförderung Gesunder Lebensstil und Krebserkrankung 6 Management-Tools für KMU-Führungskräfte Das Eisenhower-Prinzip 16 Erfolgreiche Umsetzung der SFGV-Tools Interview mit Roger Diggelmann von «Natural Premium Training» in Amriswil 20 Berufsbild: Aus- und Weiterbildung / Bewegungs- und Gesundheitsförderung Die ipso! HWS feiert HF-Anerkennung und erste Diplomabschlüsse 22 Lehrabschlussfeier 2026 auf dem Zürichsee 24 Medizinisches Gesundheitstraining Austauschbar oder unverwechselbar? Die Positionierung macht den Unterschied. 26 SFGV – Aktuell Freiwilliges Trinkgeld ist Wertschätzung – kein Lohnbestandteil 30 Arbeitssicherheit: SFGV unterstützt Fitnesscenter mit Branchenlösung 32 Tarif 595: Neue Pflicht für Fitnessunternehmen ab 2027 33 «Wir sind nicht die Kleinen. Wir sind die Basis der Branche.» 34 Der SFGV an der HealthExpo 2026 in Basel 36 GesundheitsTag 2026 – ein Dank an unsere Partner 38 Verleihen Sie «GESUND UND FIT» Ihre persönliche Note 42 SFGV – Fitness-Guide und Jobplattform Qualität erkennt man nicht am Zertifikat, sondern im Training 44 Buchtipp Burner Urban Acrobatics – Spannung, Action und Tricks Downtown 46 Ganz persönlich Im Gespräch mit Stefano Limone von «PhysioBasel» 48 10 Fragen an Bernarda Brunovic 50 Die Seiten unserer Partner 52 SFGV im Überblick Neue Mitglieder 68 Organisationsstruktur und Dienstleistungen des SFGV 70 Design / Prepresse Astrid Affolter Foto Cover © Shutterstock AYO ProductionANZEIGEEditorial Liebe Leserin, lieber Leser Im fachlichen Bereich dieser Ausgabe beschäftigen wir uns mit dem Thema Krebs. Krebs ist eine der komplexesten Erkrankungen, und die Wissenschaft weiss trotz unzähliger Studien und inten- sivster Forschung noch lange nicht alles darüber. Gerade deshalb habe ich lange überlegt, ob ich das Thema Krebs in unserem Magazin überhaupt aufnehmen soll, denn es darf keinesfalls der Eindruck entstehen, dass wir in der Fitness- branche nun die Lösung gefunden hätten. Diesen Anspruch kön- nen wir mit Sicherheit nicht erheben, aber wir können unseren Teil zur Krebsprävention beisteuern. Wenn ich in die tägliche Praxis schaue, wird auch bei uns schnell ersichtlich, dass Krebs nach wie vor ein Tabuthema ist, über das man lieber nicht spricht. Angesichts der offensichtlichen Unberechenbarkeit der Krankheit verdrängen wir das Thema eher, als dass wir versuchen, aufzuklären. Im Laufe der Recherche zum nachfolgenden Artikel ist mir bewusst geworden, wie viel Potenzial in unserer Beratung zum «gesunden Lebensstil» steckt. Diverse Krebsformen zählen zu den Erkrankungen, die mit dem Lebensstil zusammenhängen und auf die immer gleichen Risikofaktoren zurückzuführen sind. Eine kompetente Lebensstilberatung setzt vertieftes Wissen voraus, wenn man sich von oberflächlichen Aussagen abgrenzen will. Deshalb halte ich es für wichtig, dass auch die Gesundheits- expertinnen und Gesundheitsexperten unserer Branche die bisher bekannten Mechanismen der Krebsentstehung verstehen, damit wir unseren Teil zur Krebsprävention beitragen können. Ich würde heute sogar so weit gehen, die Lebensstil - be ratung sowie das dazugehörige Coaching als Alleinstel lungsmerk- mal der gesundheitsorientierten Fitnesscenter zu bezeichnen. Ein zielführendes Lebensstilcoaching lässt sich nicht durch Trai- ningsinfrastruktur, Longevity-Gadgets oder plakative Marke ting - massnahmen ersetzen. Nötig sind echtes Wissen, solide Coaching- fähigkeiten und viel Empathie seitens der Mitarbeitenden. Welchen Stellenwert hat die Lebensstilberatung in Ihrem Center? Schöpfen Sie das Potenzial dieses wichtigen Werkzeugs aus? Viel Vergnügen und zahlreiche spannende Impulse beim Lesen der Ausgabe Nr. 30 von «BEWEGUNGSMAGAZIN»! André Tummer Chefredaktor Bewegungsmedizin – Nr. 30 / September 2026 5Gesunder Lebensstil und Krebserkrankung Fachliche Informationen Bewegungs- und Gesundheitsförderung Bewegungsmedizin – Nr. 30 / September 2026 6Dieser Artikel kann die Komplexi- tät der Krebsentstehung nur oberflächlich erfassen. Trotzdem soll er für mehr Verständnis sor- gen und gerade die grosse Be- deutung des «gesunden Lebens- stils» in der Krebsprävention ausführlicher beleuchten. Die heutigen Erkenntnisse über Tumoren und ihre Ursachen sind genauso vielfältig wie ver- wirrend, und es ist fraglich, ob es jemals eine eindeutige Erklä- rung geben wird. Krebs hat immer noch den Ruf einer fatalen Lotterie. Jeder kennt irgendjemanden, der trotz Rauchens oder Trinkens uralt geworden ist, wie beispielsweise der ehemalige deutsche Bundeskanzler Helmut Schmidt. Gleichzeitig schreckt Krebs selbst vor kleinen Kindern nicht zurück, die niemals die Möglichkeit hatten, irgendetwas in ihrem Leben falsch zu ma- chen. Aufgrund dieser offensichtlichen Machtlosigkeit neigen wir dazu, das Thema Krebsprävention zu verdrängen. Gesichert ist lediglich, dass die Risiken bei jedem Tumor anders liegen. Um die Risikofaktoren beschreiben zu können, werden in Studien meist verschiedene Bevölkerungsgruppen mit- einander verglichen, die sich in einem wichtigen Merkmal unter- scheiden (beispielsweise Raucher und Nichtraucher). Die häufigs- ten Risikofaktoren sind: – Gehäufte maligne Erkrankungen in der Familie (erbliche Krankheitsdisposition) – Chronische Entzündungen (z. B. chronische Gastritis) – Zytostatika- und / oder Strahlentherapie, d. h. die Bildung von Sekundärtumoren durch die Behandlung selbst – Nikotin- und Alkoholmissbrauch – Asbestexposition – Sonnenbestrahlung Dieses Szenario erscheint auf den ersten Blick sehr er- schreckend, aber Forscher behaupten, dass 50–70 Prozent aller Krebserkrankungen heute verhindert werden könnten, wenn der aktuelle Wissenstand der Forschung richtig umgesetzt würde. Krebs gehört zu den kompliziertesten Erkrankungen. Obwohl unzählige Studien immer mehr Kenntnisse darüber gebracht haben, wie sie entsteht, schwebt darüber stets die Angst der Unberechenbarkeit und Unvorhersehbarkeit. André Tummer Foto © Shutterstock 3dMediSphere Bewegungsmedizin – Nr. 30 / September 2026 7Fachliche Informationen Bewegungs- und Gesundheitsförderung Es ist an der Zeit, dass sich eine sinnvolle Präventionsstra- tegie auch für den Krebs durchsetzt, ähnlich wie es bereits für Herz-Kreislauferkrankungen geschehen ist. Aus meiner Sicht haben wir mit der «Lebensstilberatung», die ein Schlüssel- element in den eidgenössischen Ausbildungen unserer Branche darstellt, ein gutes Werkzeug in der Hand, um unseren Beitrag zur Krebsprävention zu leisten. Abgesehen von genetisch bedingten Fällen werden alle grossen bekannten Zivilisationskrankheiten, zu denen auch viele Krebsformen zählen, durch einen gemeinsamen Katalog an Risi- kofaktoren verursacht. Doch dazu später mehr. Betrachten wir zunächst, was Tumoren überhaupt sind. Tumoren entstehen durch überschiessendes, ungehemm- tes Wachstum körpereigener Gewebe. Tumoren wachsen expo- nentiell, das heisst, ihre Zellzahl nimmt über Jahre erst nur lang- sam und dann in immer grösserem Ausmass zu. Das Fatale an diesem exponentiellen Wachstum ist, dass in dem Moment, wo Symptome auftreten, der Tumor meist schon eine Grösse von vie- len Millionen Zellen hat. Benigne Tumoren (gutartig) Sie sind in der Regel nicht lebensbedrohlich, ausser bei sehr ungünstiger Lage (z. B. bei Hirntumoren). Ihr Wachstum ist langsam, die Zellteilungsrate eher niedrig. Das Tumorgewebe unterscheidet sich nur wenig vom Ursprungsgewebe. Benigne Tumore schieben zwar das umgebende Gewebe zur Seite, wachsen aber nicht in dieses hinein – es findet also kein invasi- ves (eindringendes), sondern nur ein expansives (verdrängen- des) Wachstum statt. Maligne Tumoren (bösartig) Unbehandelt führen solche Tumoren in der Regel zum Tod der betroffenen Person. Sie wachsen schnell mit hoher Zellteilungs- rate. Sie entwickeln sich invasiv und destruierend, das heisst, der Tumor bricht in Organe und Gefässe ein und zerstört dabei das umgebende normale Gewebe. Ausserdem bilden sie Tochter- geschwülste (Metastasen) an entfernten Stellen des Organismus, weil die Tumorzellen durch das Eindringen in Blut- bzw. Lymph- gefässe weitertransportiert werden. Präkanzerosen Gewebeveränderungen, die mit erhöhtem Risiko einer malignen Entartung einhergehen. Carcinoma in situ Ein bösartiger Tumor, der aber (noch) kein invasives, also in ande- re Gewebe einwucherndes Wachstum zeigt. Semimaligne Tumoren Sie wachsen am Ort ihrer Entstehung invasiv, metastasieren aber in der Regel nicht. Infolge dieser Unterteilung entsteht oft die fälschliche Annahme, dass ein Tumor ein festes Gebilde aus identischen Krebszellen ist. Das Krebsgeschehen ist jedoch viel komplexer, denn innerhalb eines Tumors können sich die Krebszellen durch viele Mutationen voneinander unterscheiden. Zudem enthalten Tumorzellen neben Blutgefässen auch noch eine Vielzahl anderer Körperzellen wie Immun-, Fett- und Bindegewebszellen. Manche Krebsarten wie Darm- oder Pankreaskrebs weisen zudem beachtliche Mengen an Darmmikroben auf. Diese unterschiedlichen Zelltypen, die die un- mittelbare Wachstumsumgebung eines Tumors bilden, werden als Tumor-Mikroumgebung bezeichnet und beeinflussen das Krebswachstum und den Therapieerfolg massgeblich. Eine zytotoxische T-Zelle des Immunsystems (blau) greift eine Krebszelle (rot) an. Foto © Shutterstock Krot Studio Bewegungsmedizin – Nr. 30 / September 2026 8Ist Krebs wirklich eine Erkrankung? Die Frage erscheint erst einmal provokativ und unverständlich zu sein. So bezeichnet beispielsweise die Molekularbiologin und re- nommierte Krebsforscherin Dr. Hanna Heikenwälder Krebs nicht als Krankheit, sondern als einen Prozess, denn per Definition ist Krankheit etwas, was einige Menschen betrifft und andere wie- derum nicht. Beim Krebs ist dies jedoch anders. Ähnlich wie beim Alterungsprozess ist auch die Bildung von Krebszellen ein Prozess, der jeden Menschen betrifft. Die Frage ist des- halb nicht «ob», sondern «wann» und «wo zuerst». Das Entstehen von Krebszellen ist Teil unserer Biologie und das, was Ärzte als klinisch manifesten Krebs diagnostizieren, ist in Wahrheit nur die Spitze eines Eisbergs. Wir können Zellmutationen nicht ver- hindern, deren Wachstum jedoch schon. Wachstumsprozes- se können beschleunigt oder verlangsamt werden. Deshalb be- sitzen, wie schon erwähnt, alle Massnahmen, die in unserer Branche unter dem Begriff «gesunder Lebensstil» verstanden werden, ein grosses Potenzial, um den Prozess der Krebsbildung unter Kontrolle zu halten. Nach heutigem Kenntnisstand ist das Nachlassen der Im- munfunktion eine der entscheidenden pathologischen Ursachen. Auch andere Alterungsprozesse in unserem Körper wie nachlas- sende Muskel- und Knochenmasse, Alzheimer oder Arteriosklero- se werden durch eine Fehlregulation des Immunsystems ver- stärkt. Mit dem Alter intensivieren sich diese Fehlregulationen und gehen gleichzeitig mit gefährlichen Entzündungsreaktionen einher. Ein funktionierendes Immunsystem ist also unverzichtbar für ein gesundes, langes und krebsfreies Leben. Untersuchungen an besonders langlebigen Menschen zeigen, dass man durchaus mit Hunderten von Zellmutationen leben kann, aber nicht ohne eine ausreichende Menge von Immunzellen. Die Alterung unseres Immunsystems ist nur teilweise genetisch programmiert und hängt wiederum in grossem Masse mit unserer Lebensweise zusammen. Unser Körper ist auf eine hohe Zahl an regelmässigen Mutationen eingestellt, denn diese entstehen ständig – aber sie werden auch ständig repariert. Das Immunsystem begegnet Zell- mutationen mit einer ganzen Armee von Reparaturenzymen. Gelingt es einer Zelle nicht, einen gravierenden Schaden zu repa- rieren, kann sie zum Schutz des Organismus die Autophagie (Selbstverdauung) einleiten und sich selbst zerstören. Sie kann auch ihr Wachstum einstellen, was als Seneszenz bezeichnet wird. ANZEIGE IHR WELLNESSPARTNER FÜR KLEINE & GROSSE SPA-PROJEKTE Wir begleiten Sie von der Planung bis zur Umsetzung. Und realisieren alles, was Sie sich vorstellen können. Zu unseren Fitnessreferenzen: www.klafs.ch/spa-referenzNext >